Motivation zum Sport - und unser "Freund" das Dopamin

Für mich steht immer wieder die Frage der Motivation im Raum. Im speziellen die Selbstmotivation. Viele Menschen, habe ich den Eindruck, sind nicht in der Lage sich selbst zum Sport zu motivieren und ich frage mich immer wieder danach, woran das liegt. Jeder weiß, dass Sport gesund ist und man ihn deshalb auch betreiben sollte. Das steht außer Frage. Also was ist es, das uns davon abhält raus zu gehen, zu schwitzen, uns abzurackern usw. Wegen dieser Frage möchte ich etwas tiefer in die Mechanismen der Psyche eintauchen, um besser zu verstehen, was da eigentlich los ist. Denn ich finde Verständnis ist der erste Schritt, um etwas zu verändern. Wenn Du nicht weißt, wie etwas funktioniert, hast Du keinen Ansatzpunkt um was zu verbessern. Also was ist der innere Schweinehund eigentlich und warum ist es so schwer ihn zu überwinden?

Gleich vorweg: Der innere Schweinehund hat allerhand Unterstützung. Es gibt nämlich ausreichend Gründe, keine Bewegung zu machen. Allen voran unseren eigenen Verstand, der so ausgelegt ist, mit geringem Energieaufwand durch das Leben zu gehen. Das kann man sehr gut bei Kindern beobachten. Sie haben noch kein Verständnis für Gesundheit. Gesundheit ist nämlich nicht etwas, das man sofort bekommt, wenn man ein bisschen Bewegung macht. Es ist etwas, das man dauerhaft nähren muss, um es zu erhalten bzw. zu erlangen. Gleich einer Pflanze, die immer wieder über einen längeren Zeitraum Wasser braucht, um zu gedeihen. Und hier liegt der Punkt. Kinder leben im "Jetzt". Sie bekommen ein Bonbon und wissen, dass sich sofort ein Wohlbefinden einstellt. Sie haben kein Gefühl für Vorsorge und die Zukunft. Auch wenn wir erwachsen sind und einen Verstand haben, der uns sagt, was wir logischerweise zu tun haben, sind wir doch zum größten Anteil noch immer die Tierwesen von vor 50,000 Jahren. Und dieser "Tier"-Anteil unseres Verstandes ist so ein mächtiger Antrieb, dass wir immer wieder in dieses Ur-verhalten zurückfallen. Das hat auch gute Gründe: Fortpflanzung ist einer davon. Nahrungsbeschaffung ist ein weiterer. Und um an Nahrung zu kommen mussten wir uns damals bewegen. Entweder jagen oder weite Wege zurücklegen um ausreichen Pflanzen zu sammeln. Das war damals unser Antrieb zur Bewegung. Es herrschte also ein gewisser Zwang, sich zu Bewegen. War die Nahrung vorhanden, saßen wir generell still bis die Vorräte aufgebraucht waren. Heute sieht alles anders aus. Wir müssen nicht mehr kilometerweit zu Fuß gehen, um zu Nahrung zu kommen. Im einfachsten Fall kommt Nahrung per Lieferservice zu uns. Wir können also zu Hause sitzen und aufs Essen warten. Dazwischen arbeiten wir im Büro und tun zwar viel für die Ausdauer unserer Finger am PC bzw. sitzen im Auto oder haben sonst eine Arbeit, die uns körperlich nicht fordert. Selbstverständlich ist das nicht immer der Fall. Es gibt viele Jobs, die körperlich sehr wohl fordernd sind. Der Großteil der Bevölkerung, im speziellen der westlichen Welt ist aber körperlich unterfordert. Unser automatischer Drang danach „Nichts zu tun“ und die vielen Möglichkeiten unseren Verstand schnell und effektiv zufrieden zu stellen (Netflix, zuckerreiches Essen... um nur 2 zu nennen) geben unserem Schweinehund immer mehr Futter bzw. Hilfe, um uns unfit und übergewichtig zu machen. Wir folgen also noch immer unseren natürlichen Instinkten. Soweit hat sich also nichts verändert. Doch führen uns diese Instinkte und dieser urtümliche Drang nach dem „nichts tun“ mit Hilfe unserer Erfindungsgabe in eine Sackgasse von Bewegungsmangel und falscher Ernährung.

So, wir wissen jetzt also, wie wir hier gelandet sind. Wir wissen jetzt warum dieser Schweinehund da ist und dass wir ja im Prinzip nichts Unnatürliches tun. Wir folgen ja immerhin unseren Instinkten.

Also wie kommen wir jetzt raus aus dieser Sackgasse und fangen an uns zu bewegen, so wie es für unseren Körper ursprünglich auch gedacht war? Wir haben eine ganze Menge Muskeln mit auf den Weg bekommen, die alle danach schreien bewegt zu werden.

Da war noch etwas anderes, das uns der Erfolg der Jagd, bzw. die Suche nach Futter gegeben hat außer eben Nahrung. Es ist auch ein Urtrieb und in uns verankert. Es ist das, was wir von Netflix bekommen. Zucker gibt es uns auch. Es handelt sich um das Glückshormon Dopamin. Wir brauchen es, wie der Name schon sagt, zum glücklich sein. Das Problem aber auch der Vorteil davon ist, dass wir danach süchtig werden können. Warum das Problem? Weil wir heutzutage viele Dinge haben, die unserem Gehirn einen Dopamin-schub innerhalb von Minuten verschaffen können, ohne irgendwas körperlich oder auch mental getan zu haben. Dazu gehört in erster Linie Zucker. Süßspeisen und Getränke bringen uns dieses großartige Gefühl, eben einen Dopamin-schub. Das Problem dabei ist, dass das Gehirn abstumpft und sich an Dopamin gewöhnt. Die gleiche Menge davon verursacht dann ein kleineres Glücksgefühl. Das bedeutet, wir wollen immer mehr Dopamin. Wir wollen mehr Zucker, mehr Serien, Filme usw. Wie machte das also Filme, oder Serien oder Computerspiele? Das schnelle Abenteuer, dem wir über diese Medien beiwohnen gibt uns den Dopamin-schub, den wir brauchen. Für das Gehirn macht es nicht viel Unterschied ob das Abenteuer selbst erlebt wird, oder in Form eines Films vor uns abläuft. Wir verpassen uns ein Abenteuer im Kurzformat über einen Film, oder eine Serie, um für die Abenteuer zu kompensieren, die wir selbst nicht erleben. Früher kamen diese Abenteuer in Form von Jagd, oder das Sammeln von Pflanzen. Eben das Erleben des „Unerwarteten“. Oder einfach nur das „Erleben“ selbst. Der damit verbundene Erfolg gab uns den Dopaminschub, den wir brauchten. Dieser Dopaminschub, der durch diesen Erfolg verursacht wird, ist unser Antrieb.

Nun sind wir so an Dopamin gewöhnt, dass wir mittlerweile so eine hohe Toleranzgrenze haben, dass die Abenteuer, die uns zum Beispiel ein Lauf durch die Wälder über Wege, die wir nicht kennen uns nicht ausreichend mit Dopamin versorgen, um dieses Glücksgefühl zu spüren. Wir sind abgestumpft und taub. Das ist auch der Grund, warum Kinder und Jugendliche heutzutage nicht mehr raus wollen, um etwas zu erleben. Die vielen Erlebnisse, die Abenteuer, die die Natur zu bieten hat, kommen nicht an, gegen den Dopaminschub, den uns ein Computerspiel bzw. ein Schluck Cola innerhalb von Sekunden auf bequeme Art und Weise verpasst.

Wir müssen einen Weg finden uns von der Dopamin-sucht zu befreien bzw. andere Wege finden uns das Dopamin zu geben. Wir müssen den Kindern und auch uns selbst zeigen, dass es auch andere Dinge gibt, von denen man diese Glücksgefühle bekommen kann.

Welche Dinge sind das?

Ein großer Auslöser für Dopaminausschüttung ist zum Beispiel der eigene Erfolg. Etwas geschafft zu haben. Ein Abenteuer tut nichts anderes mit uns. Abenteuer bedeutet grob übersetzt „etwas Ungeplantes zu erleben“. Sich gezielt etwas Stress auszusetzen und durchgekommen zu sein. Etwas erlebt oder getan zu haben auf das man stolz sein kann. Etwas getan zu haben, das einen selbst besser gemacht hat. Es hat uns näher an unser Ziel gebracht oder vielleicht sogar unser Ziel erreichen lassen.

Sport bzw. Bewegung bietet uns diese Möglichkeit in sehr einfacher Form. Es ist ein kleines Abenteuer raus zu gehen und durch die Wälder zu rennen, neue Wege zu entdecken. Oder einfach nur, eine neue Bewegung erlernt zu haben und sich selbst mit dem eigenen Erfolg zu überraschen.

Kampfkunst, aber auch andere Sportarten, bieten diese Möglichkeit in sehr unkomplizierter Form. Ich sehe es jeden Tag in meiner eigenen Kung-Fu-Schule. Viele Kinder wissen gar nicht wie schön es ist, etwas zu erlernen und dann den Erfolg zu erkennen, weil sie eine Bewegung, die auf den ersten Blick schwierig erscheint, plötzlich meistern. Ich sehe aber sehr wohl, dass es möglich ist den Kindern Freude daran zu entlocken. (Und bei Erwachsenen ist es übrigens nicht anderes.) Wir müssen also unser Gehirn umprogrammieren, von Zucker oder Filmen und Serien auf Bewegung, bzw. Erfolg oder Abenteuer. Es gehört allerdings auch dazu den Zucker-, Film-, Serien-, Handy-, Tablett- und Computerspiele-Konsum zu verringern. Denn gegen diese Dopamin-Lieferanten kann Sport oder das selbsterlebte Abenteuer nur schwer bis gar nicht ankämpfen.

Es sollte in kleinen Schritten passieren. In jedem Fall hilft es die Zeit z.B. vor dem Bildschirm und den Zuckerkonsum zu kontrollieren und einen Ausgangspunkt zu schaffen. Dann über die nächsten Wochen reduziert man langsam das Pensum. Man kann sich nicht von einem Tag auf den anderen komplett davon trennen. Es wäre zu hart für unseren Verstand und würde nur zu einem Rückfall führen.

Im ersten Moment wird das Gehirn trotzdem sicher streiken und ein „Unwohlsein“ in Form von eventuell mieser Laune auslösen. Das ist die Gelegenheit dem Gehirn zu zeigen, dass es das gewünschte bzw. jetzt fehlende Dopamin auch, wo anders herbekommen kann. Am besten raus gehen und etwas tun, das man noch nicht oder schon länger nicht getan hat. Eine Fahrt mit dem Rad oder sonst eine Tätigkeit, die einem ein Erfolgserlebnis gibt. Und sei es einfach nur ein Puzzle zu bauen. Klar, Puzzle bauen im Vergleich zu „Ninjago“ schauen oder sonst eine Serie ist sicher nicht so einfach. Aber es braucht eben auch einen gewissen Willen, um sich verändern zu wollen. Die Erkenntnis und Annahme der eignen Verwundbarkeit spiel dabei eine große Rolle. Der Trick ist allerdings genau zu kontrollieren, wieviel man reduziert und es in kleinen Schritten zu tun. Man beginnt mit einer kleinen Menge und setzt sich kleine Ziele. Reduktion um 5min am Tablett oder am PC pro Tag. Oder innerhalb 2 Tage. Ganz egal wieviel. Das bleibt jedem selbst überlassen. Aber das Ziel ist dran zu bleiben und immer mehr zu reduzieren um sich selbst oder seine Kinder langsam umzuprogrammieren.

Das Problem mit der schnellen Befriedigung durch Zucker oder z.B. Computerspiele ist außerdem, dass sich dieses Muster in das weitere Leben reinarbeitet. Man will immer den schnellen Erfolg und lernt nicht etwas langfristig zu planen und Geduld zu haben. Genau das ist aber notwendig, um im Leben erfolgreich zu sein. Man kann sich ein hohes Ziel setzen. Das ist nicht das Problem. Wichtig ist, dass man den Weg dort hin so plant, dass man immer zwischendurch kleine Ziele hat, die einem den Erfolg und die Gewissheit bringen näher gekommen zu sein. Dieses Denken ist nicht möglich mit einer Einstellung, die sofort nach einem enormen Glücksgefühl verlangt. Man muss in der Lage sein mit kleinen Glücksgefühlen bzw. Dopamin-mengen zufrieden zu sein. Und es gibt keinen richtigen Zeitpunkt, um damit zu beginnen. Nächste Woche, oder nach den Ferien, oder im neuen Jahr. Der Zeitpunkt dafür ist jetzt.

Ich hoffe, dass dieser kleine Eintrag Menschen hilft sich besser zu verstehen und zu erkennen, dass es nicht so schwer ist sein Leben selbst in die Hand zu nehmen und sich zu verbessern, wenn es um den eigenen Körper geht. Kleine Schritte sind der Schlüssel zum Erfolg. Ich werde diese Philosophie in meinen Unterricht mitnehmen und damit hoffentlich noch vielen Menschen helfen gesünder zu leben oder einfach nur sich wohler zu fühlen und dabei Ihr Leben nachhaltig positiv zu verändern.

Der Körper, in dem Du Dich jetzt befindest, ist der einzige, den Du hast. Behandle in gut und er wird es Dir in Form von Energie, Wohlbefinden und einem gesunden Geist danken.


Schönen Tag und bleibt gesund,

Euer Sifu Christoph

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